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Autor Thema: Warum einen alten Hund - Plädoyer für einen Senior  (Gelesen 4415 mal)

Offline Birte

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Warum einen alten Hund - Plädoyer für einen Senior
« am: Di, 13. Jun. 2006, 11:11 »
Hallo an alle,

ich bekam gestern per Mail nachfolgendes, und weil es mit aus der Seele spricht, wollte ich es Euch nicht vorenthalten:

Pia hat gestern im sagenhaften Alter von 21 Jahren ihre Augen für immer geschlossen… Sie war ein Segen für meine Seele, ein nicht zu ersetzender unerschütterlicher Fels in der Brandung. Immer unauffällig, aber immer mit einem guten Blick in meiner Nähe und sie hat mir, ohne das sie etwas sagen konnte, manche Frage beantwortet, die ich in mir hatte. Ich brauchte nur in ihre Augen schauen und dann wußte ich, was richtig war. Nun ist sie nicht mehr da und ich vermisse sie so sehr.

Sie war ein Wegwerfprodukt unserer Gesellschaft. Angeschafft aus Unüberlegtheit oder Langeweile und dann einfach genauso gleichgültig wieder abgegeben, kam sie vor einigen Jahren im Tierheim in Begleitung ihrer beiden Gefährten im greisen Alter von 18 Jahren an. Wohnungswechsel war der Grund und sie wurde, trotzdem sie immer wieder vorgestellt wurde, von keinem genommen.

So blieb sie dann allein zurück und wollte nicht mehr leben. Sie stand einfach nicht mehr auf und urinierte im Liegen, blieb dann in ihrer Pipipfütze liegen und verweigerte die Nahrung. Immer sagten die Leute “Nee, wissen sie, ich habe gerade einen Hund verloren und das kann ich nicht”. Oder “So ein alter Hund muß bestimmt sofort zum Tierarzt und ich hab gerade so viel Geld in meinen verstorbenen Hund gesteckt. Ist die denn überhaupt stubenrein?”

Ich schaute mir das eine Weile an und konnte diesen Leidensweg nicht länger ansehen, nahm sie ohne wenn und aber auf und liebte sie vom ersten Tag an abgöttisch. Sie war mein Erdferkel, meine Arbeitspia, die riesengroße Äste über kilometerlange Spaziergänge schleppte, die wieder lebendig geworden war, Bälle liebte und spielte, und auch als sie schon langsam und tüddelig geworden war, immer noch an einen jungen Hund erinnerte, weil ihr Herz wieder froh war..

Sie die keine Güllepfütze ausließ und mit Vergnügen über die Felder stromerte, wurde wieder ein glücklicher Hund. Ich kann nur sagen, all die Leute die sie nicht genommen haben wissen nicht, was sie verpasst haben. Sie konnte weinen wie ein Kind, wenn ihr etwas wehtat, und sie konnte sich freuen wie eines.

Was ich damit sagen will ist folgendes: Im Namen von Pia möchte ich es in diese verdammte materiell eingestellte Welt hinausschreien.

- Ist es wirklich so unerträglich, wenn man einen Hund hat, der einem mal einen Pipi auf den Teppich macht?
- Der nicht mehr so jung und frisch aussieht?
- Der keinen Garantieschein für ein so langes Leben in der Tasche hat?
- Ist euch diese Liebe zwischen Mensch und Tier eigentlich so wenig wert?
- Wie eng sind die Menschen in ihrem Denken?
- Ist es nur wichtig, was die Nachbarn sagen oder was der Besuch denkt?

Meine Möbel haben arg gelitten in den Jahren der Hundehaltung und ich habe auch mal saubere Tapeten und Wände gehabt und ich weiß, weil ich es kenne, wie unabhängig ein Leben ohne Hunde ist, aber glaubt mir bitte, ich möchte mit keinem von denen tauschen, die ihr Leben so leben und am Ende ihre Geldscheine mit ins Grab nehmen und sich im Alter an nichts anderes als ihre sauberen Tapeten erinnern können.

Ich dagegen kann mich an ihre wunderbaren Augen erinnern, an ihren Geruch und ihr zotteliges Fell und ihren Übermut. Ich möchte euch im Namen von Pia bitten, solltet ihr noch einmal den Entschluß fassen, irgendeinem Tier ein Zuhause zu schenken, nehmt es so wie es ist und lasst es nicht aus Altersgründen dort zurück. Ich bitte euch, seid geduldig und zeigt diesen Tieren, dass ihr sie mit ihren körperlichen Macken und Fehlern liebt, denkt daran ihr werdet auch einmal alt.

Möchtet ihr das selbe Schicksal erleiden? Aus Altersgründen irgendwo einsam in der Ecke liegen und vergessen werden? Euer Hund würde euch nie vergessen. Deswegen frage ich mich, warum legen die Menschen soviel Wert auf das Denken ihrer Mitmenschen? Diese Menschen sind es doch die so Gefühlskalt reagieren.

Pia wird mir leider keiner mehr wiedergeben können, aber ich bitte euch nun, prüft doch mal nach ob ihr nicht noch einen Platz frei habt für irgendeinen alten Hund der vielleicht sehr glücklich wäre. Einen alten Hund begleiten zu dürfen, macht euch weise, ihr werdet zufrieden und ihr werdet die wichtigen Dinge im Leben zu schätzen wissen.
« Letzte Änderung: Di, 08. Aug. 2006, 08:11 von Gabi »
LG
Birte

Offline mary

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Re: Warum einen alten Hund - Plädoyer für einen Senior
« Antwort #1 am: Di, 13. Jun. 2006, 11:47 »
... zum weinen schön ...
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Offline Anubis

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Re: Warum einen alten Hund - Plädoyer für einen Senior
« Antwort #2 am: Di, 13. Jun. 2006, 12:16 »
... zum weinen schön ...

dem kann ich mich nur anschliessen  :(
LG
Barbara
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Don't breed or buy, when animals in shelters die
Mit Sternchen Lola - * Okt 1999 - + 21.08.2008 - jeden Tag schmerzlichst vermisst und nunmehr nur noch in meinem Herzen.

Offline econdin

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Re: Warum einen alten Hund - Plädoyer für einen Senior
« Antwort #3 am: Di, 13. Jun. 2006, 15:35 »
Ja, ich kann dies nur bstätigen.

Vor 5 Jahren haben wir eine Katze im Alter von 20 Jahren aus dem Tierhiem geholt.
Es wurde uns erklärt, dass Sie aufgrund eines Nierenleidens und Ihres hohen Alters
nicht mehr lange leben wird. Dies hat uns nicht abgeschreckt. Wir haben uns in Sie
verliebt und mitgenommen.
Sie war 16 Tage bei uns und ist unseren Armen beim TA für immer eingeschlafen.
Wir haben nichts bereut...ich war so froh dass Sie Ihre letzten Tage nicht im
Heim verbringen musste.
Seit dieser Zeit haben wir weiteren älteren Katzen ein Zuhause gegeben. Und habe
Sie über die Regenbogenbrücke begleitet. Wir halten immer einen Gnadenplatz für
einen Stubentiger frei.
Ich liebe Katzen egal in welchem Alter Sie zu uns kommen.
Unser Hannibal ist 12 geworden, mit 11 Jahren haben wir Ihn aus dem nahegelegenen
Tierheim geholt. Inzwischen hat er eine OP am Ohr und eine Zahnsaniereung hinter
sich. Und ich habe das Gefühl das er seit dieser OP wieder richtig jung geworden ist
und sich seines gesunden Lebens erfreut. Er beteiligt sich auch immer wieder gerne
am Spiel mit unseren Jungkatzen.
Deshalb, egal ob alter Hund oder alte Katze. Es gibt keinen Grund ein älteres Tier
zu verstoßen und es sollte auch Niemand davor zurückschrechken ein älteres Tier
zu sich zu holen. Sie schenken genau so viel Liebe und bereiten einem die gleiche
Freude wie ein junges Tier.
Das Wenige was man tun kann ist viel, wenn man nur Leid, Angst und Schmerz von einem Wesen nimmt.

Elvira und Ihre Fellmonster Striezl, Indian und Hannibal

Offline Bea

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Re: Warum einen alten Hund - Plädoyer für einen Senior
« Antwort #4 am: Di, 13. Jun. 2006, 16:57 »
Ein schöner Text  :heul: und sehr wahr :)
Wenn meine Söhne mal aus dem Haus sind, werde ich auch einen alten Hund zu mir nehmen. Ich habs mir ganz fest vorgenommen :D
Bea

Viele Menschen sind zu gut erzogen, um mit vollem Mund zu sprechen. Aber sie haben keine Bedenken, dies mit leerem Kopf zu tun.

Offline Tanja05

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Re: Warum einen alten Hund - Plädoyer für einen Senior
« Antwort #5 am: Di, 13. Jun. 2006, 21:43 »
wahre worte  :( :(
LG       
Tanja

Offline Anita

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Re: Warum einen alten Hund - Plädoyer für einen Senior
« Antwort #6 am: Di, 20. Jun. 2006, 01:13 »
Das find ich Super - schön das es immer mehr Menschen merken was ein altes Tier einen an Zufriedenheit geben kann.

Im Namen meiner Oldies und Behindis.


Alles Liebe  Anita

Offline Ina

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Re: Warum einen alten Hund - Plädoyer für einen Senior
« Antwort #7 am: Mo, 07. Aug. 2006, 23:48 »
Was ist alt?

Wir haben nun, danke Birte, einen ca. 10,5 Jahre alten Hund! Stimmt aber gar nicht, wir haben einen 10,5 Jahre jungen Hund!

Der Hund lebt auf, liebt sein Leben! Was will man mehr von einem TH-Hund, der mit ca. 8 Jahren zu uns kam? Und, wir lieben ihn und er hat Vertrauen zu uns! (Hergeben ist nieeeeee wieder angesagt; unser Mecki ist perfekt!)

Grüße Ina




Offline Canis

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Re: Warum einen alten Hund - Plädoyer für einen Senior
« Antwort #8 am: Do, 06. Mär. 2008, 22:24 »
Columbo ist erst 5 Jahre alt, aber vor einem Jahr wurde bei ihm Leishmaniose diagnostiziert und meine Tierärztin sagte: Es gibt zwei Möglichkeiten, erstens Einschläfern oder eine Therapie beginnen, die teuer ist.
Columbo ging es damals sehr schlecht. Er konnte nicht aufstehen und nicht laufen. Zum Tierarzt haben wir ihn getragen. Nach ungefähr 2 Monaten stand er auf und war ein fröhlicher Hund. Zwar nicht so belastbar wie andere, aber er hat wieder Lebensqualität. Die Therapie ist teuer (andere kaufen sich ein Auto dafür), aber sie hat Erfolg.  Ich freue mich, dass ich mich für die Therapie entschieden habe, denn mein Columbo ist was Besonderes.
Viele Grüße
Alex mit dem gemischten Rudel

Offline 3-Musketiere

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Re: Warum einen alten Hund - Plädoyer für einen Senior
« Antwort #9 am: Fr, 07. Mär. 2008, 11:40 »
Wir haben jetzt auch regelmäßig eine ältere Hündin bei uns. Wenn ich von einer Lebenserwartung von 12 Jahren bei ihr ausgehe, dann wird sie im Mai mit ihren acht Lenzen umgerechnet wohl 60 Menschenjahre auf dem Buckel haben. Lea war in ihrer Jugend eine sehr wilde Nudel und nun merkt man doch, dass sie weniger spielen, mehr durch die Pampas mit der Nase am Boden laufen will. Und diese ausgedehnten Spaziergänge kommen auch mir wesentlich mehr entgegen, als wenn ich mit ihr Agility oder ähnliches machen sollte. Von ihrer teilweise rasse-, aber auch altersbedingten Ruhe und Gelassenheit profitieren auch unsere Katzen hier sehr!
Es ist garnicht so, dass ihr Frauchen sie nicht liebt oder sie los haben möchte. Nur kann sie eben im Moment den Bedürfnissen des älter werdenden Hundes nicht so gerecht werden wie wir, weil sie immernoch jung ist und beruflich weiterkommen, sich um den kleinen Sohn kümmern muss und auch mal was für sich unternehmen möchte. Da tut es Lea gut, wenn auch sie mal gucken darf, was ihr nun am meisten Spass macht, mit Menschen die sie auch lieben und gerade viel mehr Zeit für sie haben. Manchmal denke ich, es gibt bei der Mensch-Tier-Beziehung auch so etwas wie eine "Lebensabschnitts-Partnerschaft". Denn wenn ich mit ihrem Frauchen über ihre Vorlieben oder Abneigungen spreche, dann ist es manchmal, als würden wir nicht von demselben Hund sprechen.
Auch ein Tier verändert sich wenn es älter wird. Es ist sicherlich im Sinne des Tieres, wenn die äußeren Umstände auch dieser Veränderung angepasst sind. Das heißt ja nicht, dass ein älteres Tier keine Lebensfreude vermitteln kann. Ich denke eher, dass ein Tier, das seine Bedürfnisse leben kann, das sich in seiner Lebensphase verstanden fühlt, ja Lebensqualität hat und die auch freudig bestätigt. Also, wenn sich die Lebenserfahrung mit der Lebensfreude paaren kann, dann hat man einen wunderbar einfühlsamen Partner an seiner Seite.
Mit Lea beginne ich ab nächster Woche ein Training zur Therapiehündin. Den Eingangstest (ähnlich einem Wesenstest) hat sie mit Bravour bestanden. Vor ein paar Jahren wäre das sicherlich auch schon eine schöne Aufgabe für sie gewesen, trotzdem aber für sie eher Arbeit als reines Vergnügen. Nun kommt es ihrem momentanen Bedürfnis nach Beschäftigung sehr entgegen.
Ich würde immerwieder einen älteren Hund aufnehmen, wenn ich das Gefühl hätte, dass unsere Bedürfnisse und Erwartungen übereinstimmen.
Gruss, Susann  (49)
mit Haremschef Pepito (8 ), Queen Ginga (3), Sonnenschein Rosa (2), Lady Zaza (5), Baby Coco (1) und Hundedame Lea (7), sowie Patenkater Beethoven (4)

Tu was Du kannst, mit dem was Du hast, dort wo Du bist.  (Th. Roosevelt)

Offline MQ-SL

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Re: Warum einen alten Hund - Plädoyer für einen Senior
« Antwort #10 am: So, 09. Mär. 2008, 15:55 »
unsere Chiara ist auch 7 Jahre alt,wird im Juli 8.Sie paßt perfekt zu uns-sind auch nicht mehr die Jüngsten  :D Wir wollten keinen Welpen,kein toben,kein Agility oder Hund am Fahrrad und auch die Rasse -Maremmano-Abruzzese sprach schon dafür.Ein älterer Hund war die richtige Entscheidung  :knuddel: Wir würden es immer wieder tun.Chiaras beide Schwestern sitzen ja auch noch im TH.Wir überlegen,ob wir noch 1 holen,aber dann wäre  eine ganz allein  :confused: Wobei ich nicht glaube,daß die beiden dort unglücklich sind.Chiara wollte ja auch erst wieder zurück  ;)
Erstaunt hat mich schon,daß ein Hund über 20 Jahre alt wird.Ich dachte nur Katzen werden so alt.War er ganz klein?
LG Silva
Unser Glück sind 6 Katzen + jetzt wieder 3 Hunde !

Offline 3-Musketiere

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Re: Warum einen alten Hund - Plädoyer für einen Senior
« Antwort #11 am: So, 09. Mär. 2008, 16:08 »
Soweit ich weiß, werden einige Terrierrassen sehr alt und auch die Pudel.
Grundsätzlich würde ich aber mal davon ausgehen, dass so ein hohes Alter eben nicht nur mit einem guten Zuhause, sondern eben auch mit den Genen verbunden ist. Und da gibt's ja auch immer die berühmten Ausnahmen.  :)
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